Höhepunkt

23. Juni 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Tag im Zeichen von  Lunge und Muskeln, weniger der Linguistik. Ab Thusis bis auf den Albulapass (2312 m. ü. M.) sind es etwa 1750 Höhenmeter. Das Wetter zeigt sich gnädig und gewährt mir immer wieder mal eine Regenpause, so in Bergün in einem geschäftigen Bäckerei-Café, dann in Preda bei einem wahren Wolkenbruch, fast zwei Stunden verbringe ich über Gerstensuppe, Kaffee und Notizbuch. Draussen brausen Motorradpulks vorbei, Fronleichnam, offenbar vor allem in Deutschland. Die wackeren Männer und Frauen scheuen den Regen nicht und scheinen auch den Speed nicht zu reduzieren. Gestern sind allein im Bündnerland drei Töfffahrer verunglückt. Der Grund war Rollsplitt, nicht Regen. Aber eben, die Geschwindigkeit ist allemal zu hoch.

Der gefährlichste Teil war für mich aber die Schynschlucht, wo es keinen Radweg gibt. Ich habe mich gerüstet: blinkendes Rücklicht, rot, Stirnlampe, weiss, Ohrenpfropfen, gelb, gegen den infernalischen Lärm. So geht’s. Danach setzt der Radweg wieder ein und hetzt mich ein paar Höhenkurven hoch zum besonnten Dorf Alvaschein mit wunderbaren Miststöcken und Gasthausschildern.

Der Pass, unter dräuenden und nieselnden Wolken um 16 Uhr erreicht, ist dann vor allem eine Geduldssache, die wenig befahrene Strasse steigt und steigt und steigt. Es gibt einen Gradienten, der gerade noch erträglich ist. Dann kommen die wenigen Promille dazu, die den kleinen Unterschied zum Leiden ausmachen. Man könnte auch sagen: Zuviel Gepäck. Die Serviererin im Preda-Kulm fragte mich, ob ich nicht einfach den Zug nehmen wolle. Ja, denke ich, im Tunnel regnet’s nicht.

Zuoberst steht einer mit dem Rad und will sich grad die andere Seite runterstürzen. Ich bitte ihn um ein Foto. Natürlich kommen wir dann ins Gespräch. Er hat schon mal die Alpen überquert bis Trieste, war auch lange im Balkan unterwegs, Sarajevo, Mostar, bis Istanbul, so ungefähr meine Route, give or take a country. Was für ein Zufall, in der 7 Grad kalten Einsamkeit des Albula-Hospizes. Eine Minute später, und er wäre weg gewesen.

Dass man auch immer posieren muss ...

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