This land does not exist

26. Juni 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Landstrich wie dieser fällt hinter den Alpen steil und dann sanfter ab. Man hangelt sich auf einen Pass hoch und sieht von dort Täler und Bergkämme, die sich hinter einander staffeln, die sich in einander verschränken. Aber dieses Land gibt es nicht. Es muss alles ein Traum sein.

You ride your bike down the steep incline, your fingers are getting stiff from braking, as you don’t want to go too fast and miss out on the vistas. The pine trees, the larches, the deep ravine and the foaming whitish green water, it’s real, and yet it’s a mirage. You stop in some small villages that thrive on tourism in a modest way. Valchava, for example. You admire a house that’s been done up with lovely frescoes, a feast of colour and patterns. There’s a lady there, just getting out of her car. Bun di, she says and carries on in Swiss German, the lingo we speak. She explains that this was once a stable, and it was converted into living space. But it was too cold inside in the two winter months without the sun reaching over the mountain range. So they had it insulated with thick layers of sheetrock and such like. Now it’s perfect. And the artist got his way, although the riot of colour still seems a little strange to her.

Ihr Ehemann kommt hinzu, spricht mit ihr kurz auf Romanisch, den lokalen Dialekt, Vallader. Dann wechselt er auf Schweizerdeutsch, erkundigt sich nach unserem Reiseziel. Dann kommen Kinder hinzugerannt, ausgelassen hüpfen sie herum. Wir verstehen, bevor die Grossmutter erklärt: Die grossen Ferien haben eben begonnen, es ist alles ein Traum. Die Grosseltern wechseln zwischen den beiden Idiomen hin und her. Im Hotel spielen die Kinder der Gastgeberin, ich spreche ein kleines Mädchen auf Deutsch an. Sie antwortet nicht. Später frage ich die Mutter, ob die Vierjährige allenfalls meine Sprache nicht versteht. Doch, doch, natürlich, auch sie wächst zweisprachig auf.

A day later, beyond the border, we settle for the night in Meran/Merano.  It was strange to travel across a southern border of Switzerland and to hear German, a rugged alpine version of it, spoken by the locals. The valley of the Adige/Etsch is culturally clearly Germanic. But in this resort town, we sit on a plaza in a comfortably modern café cum bar and listen in on the conversations of a bunch of elegantly dressed young people, who are obviously gearing up for some formal party, a wedding, it turns out. They are friends, colleagues, acquaintances, and there are lulls in the conversation, which happens to be in Italian. Sometimes the lulls are filled in with a quick give-and-take in German among a subgroup. But the others seem to understand, or at least not to care enough about the quick switches. But all of this doesn’t really happen, it doesn’t exist. Officially, statistically, authority-wise.

Am Tag zuvor hatte ich ein Gespräch mit Mario Pult von der Lia Rumantscha. Auf der Sonnenterrasse eines Bäckerei-Cafés in Zernez fragte ich ihn, wie er es empfinde, dass bei der Volkszählung, in der auch die Sprachen erhoben werden, jede und jeder nur eine Hauptsprache angeben könne, die Sprache, in der man denkt. Er fände das schwierig. Ohne diese Einschränkung, wenn man also zwei Sprachen im gleichen Rang nennen könnte, gäbe es annähernd doppelt so viele Romanen und Romaninnen in der Schweiz. Aber eine ausgeglichene Zweisprachigkeit existiert formell nicht. Jeder und jede wird gezwungen, eine Sprache als als die dominante hinzustellen. Die Szenen, die ich miterlebt habe bei meiner Durchreise durchs Münstertal, haben – offiziell – nicht stattgefunden.

It all boils down to this sort of partition I found on the notice-board of the community of Schluderns/Silandro. They are looking for a cook. The ad is in German and Italian. But the candidate must be from the (one and only) German language group. It’s this way or the other. On the census, in the province of Alto Adige and elsewhere, there seems to be no box you can tick for the language of bilingualism.

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