Mischmasch mit Aussicht

10. Juli 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Nun bin ich eindeutig in eine Region gedriftet, wo der Tourismus in Hochblüte steht. Ich merke, dass ich jetzt planen und vorbuchen muss, was mir an sich zuwider ist. Die Freiheit des Velotouristen geht flöten, ganz zu schweigen davon, dass ich die geforderte Flexibilität mit Eigenantrieb weniger gut erbringen kann. Ich wagte es vorerst nicht, auf die Insel Cres überzusetzen, weil ich per Telefon kein freies Zimmer fand. Ich miete jetzt eins in der Nähe der Fährenstation, dreihundert Meter über dem grün-blau schimmernden Meeresspiegel und fühle mich gut aufgehoben, wenn es hier auch keine Mahlzeiten gibt. Das nächste Restaurant ist 7 km entfernt, der günstige Supermarkt 20 km.

Aber der Ausflug zum Restaurant nach einem Hungertag war ein Traum, entlang der Küstenstrasse immer auf gleicher Höhe, und die Goldbrasse war nicht nur zusammen mit der Aussicht auf die Kvarner Bucht fantastisch, sondern überhaupt. Ein bisschen Entbehrung, und alles mundet drei Mal so gut.

Interessant für den Sprachenbeobachter: Eben unterhalten sich die holländischen Gäste auf Deutsch mit den kroatischen Gastgebern, die Verständigung geht mit sehr einfachen Mitteln ganz glatt vonstatten. Die Holländerin stellt mit lauter Stimme immer wieder Fragen und bestätigt herzhaft ihr Verstehen: ja, jajaja, okay, mit einladend ansteigendem Ton. Natürlich alles per Du. „Bist du in Holland gewest?“ Deutsch als lingua franca, eine ganz hübsche Vorstellung (auch der kroatische Familienvater redet plötzlich ein bisschen Deutsch, nachdem er mir bedeutet hat, er habe seit der Schule alles vergessen, könne nur „Weintrinken“ sagen – aber in der gemeinsamen Zweitsprache lässt sich’s freier schwatzen).

Auch im Restaurant erwies sich eine holländische Partie als Sprachmischexperten. Die eine resolute Dame, offenbar aus Tschechien in die Niederlande eingewandert, verständigt sich mit der Kellnerin in einer slawischen Sprache (ich kann es nicht beurteilen, ist es Kroatisch, Tschechisch oder ein Mischmasch?). Die anderen bestellen auf Italienisch und reden dann davon, wie „lekker“ das alles sei. Auch Englisch fliesst ein, und ich verstehe nach meinem grossen Bier viel mehr Niederländisch, als ich eigentlich hören will.

Mit Verlaub, auch die Sprachen relaxen im Urlaub, ist doch toll.

Und eben, die Aussicht beim Mahl

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