Langsame Heimfahrt

25. Juli 2011 § Ein Kommentar

Diesen Blogeintrag schreibe ich im Restaurant der Fähre Liburnjia, die alle paar Tage die ganze kroatische Küste von Dubrovnik bis Rijeka und zurück abtuckert. Vor ein paar Tagen, nach einer Nacht mit wenig Schlaf in Vodice, habe ich beschlossen, dieser Tour ein vorläufiges Ende zu setzen. Das Unterfangen ‚Um Europa in 80 Sprachen‘ gebe ich jedoch nicht auf.

Im Gegenteil, die langsame Fortbewegung mit Fahrrad durch sich wandelnde Landschaften mit erhöhter Aufmerksamkeit für Geschichtliches und Sprachliches hat viel für sich. Wenn ich jetzt nach 5 Wochen abbreche, hat das einerseits mit der Hitze zu tun, die mir damals doch zu schaffen machte (heute regnete es mehrmals und es ist kühler). Anderseits will ich diesen Sommer mehr Zeit verbringen mit meiner Familie, als ich dies in meinem etwas zu kühnen Plan, zehn Wochen unterwegs zu sein, davon die Mehrheit ganz alleine, vorgehabt hatte.

Die Einsamkeit war und ist eigentlich nur dann ein Problem, wenn ich mich unter Touristenmassen wieder finde – auch wenn ich den vielen Familien und Freundesgruppen die vergnügliche Zeit von Herzen gönne. Ich habe diesen Modus ja selbst gewählt, und er verleiht mir eine so grosse Freiheit, dass es beinahe weh tut. Darum: Mehr Zeit zu Hause mit meinen Lieben, und eines Tages – nächstes, übernächstes Jahr, werde ich in Dubrovnik wieder einsetzen und die Fahrt nach Gagausien fortsetzen.

Dies wird mir auch die Chance geben, mich noch etwas besser vorzubereiten. Während ich mich in linguistischer Hinsicht mit einigen Recherchen zu Sprachen, ihren SprecherInnen und ihrer Geografie einigermassen kundig gemacht habe, bin ich von den Spuren der Jugoslawien-Kriege doch etwas überrumpelt worden. Natürlich weiss jeder, dass man in gewissen Gebieten immer noch Einschüsse und Zerstörtes sehen kann. Aber es ist eine andere Sache, beim Reisen täglich einige Minuten oder Stunden in einem Buch zu lesen, das einen minutiösen Tatsachenbericht über die monströsen Taten und das Versagen derjenigen abliefert, die behaupten, ein Europa des friedlichen Aufbaus zu vertreten.

Es ist eine ernüchternde Lektüre, und sie konterkariert jegliches Feriengefühl deutlich. Also werde ich nächstes Mal im Voraus etwas gründlicher das Terrain vorbereiten, um mich dann besser auf „Sprache, Landschaft, Glück“ konzentrieren zu können.

Window in Dubrovnik

§ Eine Antwort auf Langsame Heimfahrt

  • Hallo Daniel,
    wir hoffen, du bist inzwischen heil zu hause angekommen. Wir hätten uns echt wieder „zufällig“ über Treffen können, denn auch wir sind dann nach einem kurzen Ausflug nach Krka über Split nach Hvar (wunderschön) und haben die ganze Insel durchquert, da uns der Verkehr auf der Magistale nicht so ganz überzeugt hat. Gekommen sind wir bis Mostar und dann mit dem Zug nach Sarajevo und dann wieder zurück nach ST.
    All the best für deine weiteren Vorhaben und bis bald vielleicht mal!

    Walter & Magda

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